Orakel der alten Zeit

Das Orakel als Zukunftsdeutung stand in alten Zeiten eng in Verbindung mit der Welt der Götter.

Auch der Begriff Orakel stammt vom lateinischen Wort „Oraculum“, „orare“ = beten ab. Man bat die Götter um die Offenlegung ihres Willens.

Eines der heutigen berĂŒhmtesten Orakel des Alterums ist das Orakel von Delphi, dem Ort, an dem sich die beiden Adler des Zeus getroffen haben, dem Zentrum der damaligen Welt. Hier lebte die hellseherische Weltenschlange Python und hier sprach der Gott Apollon nicht durch Priester zu den Menschen sondern durch die Pythia, die im Tempel die Zukunft der Pilger deutete. Im Austausch einer grosszĂŒgige Opfergabe aus Gold und Silber wurde dem Fragesteller ausfĂŒhrlich in Rat und Tat geweissagt. Weniger vermögende Fragesteller mussten sich mit einem Ja/Nein-Orakel zufriedengeben bei dem die Pythia aus einem GefĂ€ĂŸ weisse und schwarze Bohnen zog.

Das Ritual der Weissagung ist uns teilweise in die heutige Zeit hinein ĂŒberliefert worden: die Pythia saß dabei auf einem Dreifuss ĂŒber einer Erdspalte aus der berauschende DĂ€mpfe eine Trance der Pythia bewirkte. Die teilweise etwas wirr klingenden Aussagen wurden von den Priestern angehört und den Fragenden in Form von Interpretationen ĂŒbermittelt.

Auch damals war die Antwort eines Orakels nicht völlig eindeutig. So wurde dem König Krösus vom Orakel in Delphi vorausgesagt, dass er ein grosses Reich zerstören werde, wenn er in die Schlacht ziehen werde. Er zog darauf spÀter in die Schlacht und zerstörte dadurch tatsÀchlich ein grosses Reich: allerdings sein eigenes!

Bedeutsam war auch die Hieroskopie, die Opferschau, bei der körperliche Eigenschafte von Opfertieren (insbesondere der Leber) als Omen herangezogen wurden. Beliebte Fragen von damals waren Aussagen ĂŒber die Treue des Partners, der Gesundheit, geschĂ€ftliche Beziehungen oder die Deutung von TrĂ€umen.

Auch die Libanomantie (Rauchomina), die Deutung der Bewegung vom Rauch eines RĂ€ucherwerks, ist uns heute als Mittel zum Wahrsagen ĂŒberliefert worden.

Eine herausragende Form der Zukunftdeutung und Orakel hatte bereits im Reich der alten Sumerer und spĂ€ter in Babylon die Astrologie. Hier spielten die Planeten und der Mond im Besonderen eine besonders grosse Rolle. Die Sternbilder wurden dabei mit Gottheiten assoziiert, was spĂ€ter von den Römern ĂŒbernommen worden ist (z.B. Göttin Ischtar = Planet Venus, Nergal = Mars, Marduk = Jupiter).

Die Babylonier kannten bereits die Tierkreiszeichen, die wir z.B. spĂ€ter in Ägypten im Tempel von Dendera wiederfinden. Die Ă€gyptische Astrologie war jedoch noch stĂ€rker und enger mit der Ă€gyptischen Religion verbunden als in Babylon.

Im Prinzip konnte jedes Omen der Natur als Zeichen oder Schrift des Himmels dienen. Es ging nicht in erster Linie darum, dass die Götter und Planeten das Schicksal der Erde bestimmten, sondern dass die Energien und KrĂ€fte, die durch die Götter und Sternbilder bildhaft symbolisiert worden sind, sich auch auf das Leben auf der Erde auswirkte (Kein direktes Ursache-Wirkung Prinzip!). Dominierte Mars am Himmel, so war eine gĂŒnstige Energie fĂŒr Krieg und Konflikte vorhanden, regierte hingegen der Jupiter, war die Zeit fĂŒr dauerhafte VertrĂ€ge und BĂŒndnisse besonders gut. Alles im Himmel hatte eine Entsprechung auf der Erde, „...wie oben, so unten, wie im Grossen, so im Kleinen“.

Die alten Gelehrten Griechenland legten ebenfalls einen grossen Wert auf Astronomie und astrologisches Wissen. So sah der Astronom und Mathematiker Thales bereits im Winter voraus, dass es im kommenden Sommer zu einer reichen Olivernernte kommen werde. Er pachtete so viele Olivenfelder, wie er konnte, und verdiente dadurch ein enormes Vermögen und wurde sehr reich. Auch der griechische Mathematiker Pythagoras studierte in den Priesterschulen und der bedeutende Arzt Hippokrates erklĂ€rte die Astrologie fĂŒr ein wichtiges Kernfach eines jeden zukĂŒnftigen Arztes. Auch der Philosoph Platon aus Athen war ausserordentlich gut in der Astrologie verschiedener Kulturkreise (z.B. Indien) bewandert.

Selbst das gnostische Christentum legte noch sehr viel Wert auf Astrologie und astrologische Lehren, diese wurde jedoch von der Kirche als HĂ€resie und Irrglaube eingestuft und damals gesetzlich verboten. Keine Wissenschaft sollte zum Anspruch der Kirche, den göttlichen Willen zu deuten – die wichtigste Existenzberechtigung einer jeden religiösen Priesterkaste – in Konkurrenz stehen dĂŒrfen.

Wegen Verfolgung und UnterdrĂŒckung wurden das alte Wissen der alten Weisheitszirkeln in den Untergrund verlagert und hĂ€ufig in Form von geheimen Symbolen und verborgenen Zeichen weitergegeben. Auch die verschlĂŒsselte Bildsprache des Tarot steht in der Tradition dieses sehr alten Wissens und dient vielen Menschen heute noch als wertvolle Informationsquelle, die einen inneren Zugang zu diesem Geheimwissen besitzen.

Nicht zuletzt ging und geht es beim Orakel auch um Selbsterkenntnis (Erkenne dich selbst), z.B. wie man in seinem eigenen Leben ein Höchstmaß an GlĂŒck und Selbstverwirklichung erreichen kann, indem man den inneren göttlichen Funken entfacht und dadurch verborgende FĂ€higkeiten in sich weckt. Selbst ein kleines Aufecken dieses Funkens kann das Leben eines Menschen bereits sehr positiv verĂ€ndern.

Das Orakel der alten Zeit galt als eine der wichtigsten und faszinierensten Lehren ĂŒberhaupt.

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